Ganz ehrlich: Claude ist manchmal richtig gut darin, unnötig komplizierte Sätze zu bauen. Mit Opus 5 ist mir das besonders aufgefallen. Ein Entwickler aus Köln hat das in einem viel geteilten Blogpost so beschrieben: KI-Output zu lesen sei mittlerweile Extraarbeit, umständlich formuliert, oft nur plausibler Unsinn und vollgestopft mit Fachjargon.
Die Lösung ist ein eigener Output Style. In diesem Artikel zeige ich dir, wie du einen einrichtest, welche Styles Claude Code schon mitbringt und wie du deinen eigenen Stil findest. Das funktioniert unabhängig davon, mit welchem Modell du gerade arbeitest.
Was ist ein Output Style?
Ein Output Style ist eine feste Anweisung, die bestimmt, in welchem Stil Claude Code dir antwortet. Er ändert nicht, was Claude inhaltlich macht, sondern wie er es dir erklärt.
Technisch ist ein Output Style eine Markdown-Datei mit einem kurzen Kopfbereich (Name, Beschreibung) und darunter der eigentlichen Anweisung. Claude Code liest sie zu Beginn der Session und hält sich bei jeder Antwort daran. So musst du nicht in jedem Prompt wiederholen, dass du bitte kurze Antworten willst.
Die eingebauten Output Styles
Wenn du in Claude Code /config eingibst und nach „Output“ suchst, findest du den Punkt Output style. Dort kannst du zwischen den eingebauten Styles wechseln:
| Style | Was er macht |
|---|---|
| Default | Das normale Verhalten von Claude Code |
| Explanatory | Claude erklärt bei Änderungen, wie die Architektur funktioniert und warum er etwas so umsetzt |
| Learning | Claude hält zwischendurch an und lässt dich selbst kleine Teile schreiben |
| Proactive | Claude legt mit der Arbeit los, ohne Routinefragen zu stellen |
Learning ist vielleicht der spannendste, wenn du programmieren lernen willst. Explanatory eignet sich gut, wenn du neu in ein Projekt einsteigst und nebenbei verstehen willst, wie die Codebase aufgebaut ist. Inzwischen gibt es außerdem einen Style Concise, bei dem Claude direkt mit dem Ergebnis beginnt und Einleitungen weglässt.
Neben diesen Styles kannst du eigene hinzufügen. Genau das machen wir jetzt.
Den ELI5-Style einrichten
Lydia Hallie, Entwicklerin bei Anthropic, hat einen Output Style geteilt, den ich sehr mag: „Explain like I'm 5“, kurz ELI5. Es geht darum, alles so einfach wie möglich zu erklären. Hier ist er zum Kopieren:
---
name: ELI5
description: keep it simple pls
keep-coding-instructions: true
---
It's been a long day and my brain is fried, talk to me like I'm 5.
Small words, short sentences, short paragraphs. If you have to use a big word, explain it right after. Only return what's actually necessary.
Just tell me what you did, did it work, what do I do now.
If I have to decide something: 2 options max, the context I need to pick fast, and which one you'd go with.
Keep paths and commands exact. I have no brain cells left for the rest.
Die Zeile keep-coding-instructions: true ist wichtig. Sie sorgt dafür, dass Claude seine eingebauten Anweisungen für Softwareentwicklung behält und dein Style nur obendrauf kommt. Ohne sie ersetzt ein eigener Style diese Anweisungen.
Schritt 1: Style anlegen lassen
Am einfachsten bittest du Claude, den Style für dich anzulegen:
Bitte leg mir einen neuen Output Style an. Hier ist der Inhalt: [Style einfügen]
Ein Hinweis aus der Praxis: Als ich das gemacht habe, hat Claude den Text nicht eins zu eins übernommen, sondern noch einiges dazugedichtet. Overengineering im Kleinen. Ich habe die Datei danach von Hand korrigiert. Schau also kurz rein, ob der Inhalt stimmt.
Eigene Styles liegen als Markdown-Datei in einem dieser Ordner:
~/.claude/output-styles/für alle deine Projekte.claude/output-styles/im Projekt, wenn der Style nur dort gelten oder mit dem Team geteilt werden soll
Schritt 2: Claude Code neu starten und Style aktivieren
Damit der neue Style auftaucht, startest du Claude Code neu. Dann gehst du wieder in /config, suchst nach „Output“ und wählst den ELI5-Style aus. In neueren Versionen geht das auch direkt mit /output-style.
Schritt 3: Denselben Prompt noch einmal testen
Um den Unterschied zu sehen, springst du mit /rewind eine Nachricht zurück und schickst denselben Prompt noch einmal ab.
Bei mir war der Unterschied deutlich: kürzere Sätze, weniger Text insgesamt, mehr Absätze und eine viel übersichtlichere Antwort. Den Style kannst du jetzt beliebig anpassen, je nachdem, wie dein Output strukturiert sein soll.
Deinen eigenen Stil finden mit /branch
ELI5 passt nicht für jeden und nicht für jede Situation. Um herauszufinden, was für dich funktioniert, lass dir mehrere Varianten zeigen.
Dafür zweigst du deine Konversation mit /branch ab. Das erstellt eine Kopie des bisherigen Chats, in der du weiterschreiben kannst, ohne das Original zu verändern. Im neuen Zweig bittest du Claude:
Kannst du mir bitte drei unterschiedliche Output Styles für deine letzte Antwort generieren und zeigen, wie die Antwort jeweils aussehen würde?
Bei mir kamen drei sehr unterschiedliche Varianten heraus:
- Küchentisch-Variante: sehr kurz und bildlich, mit Vergleichen aus dem Alltag.
- Technische Variante: deutlich ausführlicher, mit allen technischen Details für Entwickler.
- Entscheidungsvorlage: strukturiert wie eine Vorlage, auf deren Basis du eine Entscheidung triffst.
Mein Tipp: Nimm genau die Antworten als Ausgangspunkt, die dich verwirrt oder genervt haben. Gefällt dir eine Variante, bitte Claude, daraus einen Output Style zu machen. Wenn dir der Stil später zu einfach oder zu technisch ist, sagst du das einfach und lässt ihn nachjustieren.
Output Styles pro Projekt festlegen
Den Style kannst du pro Konversation wechseln, aber auch als Standard für ein Projekt festlegen. Die Auswahl landet in der Datei .claude/settings.local.json deines Projekts:
{
"outputStyle": "ELI5"
}
Als wir den ELI5-Style vorhin ausgewählt haben, hat Claude den Eintrag dort automatisch gesetzt. Du kannst den Wert jederzeit austauschen. Ein anderes Projekt ist davon nicht betroffen, es behält seinen eigenen Style.
Das nutze ich so: In Projekten, in die ich mich gerade einarbeite, nehme ich den Explanatory-Style, um die Codebase besser zu verstehen. In Projekten, die ich in- und auswendig kenne, darf der Output deutlich knapper sein.
Zusammenfassung
Lange, verschachtelte Antworten sind kein Naturgesetz. Mit Output Styles legst du einmal fest, wie Claude Code mit dir spricht, und musst es nicht in jedem Prompt wiederholen. Das gilt für Opus 5 genauso wie für jedes spätere Modell, das wieder seinen eigenen Tonfall mitbringt.
Wenn du noch mehr Kontrolle über Claude Code willst, schau dir auch die Slash Commands an, die ich jeden Tag nutze. Dort erkläre ich unter anderem /rewind genauer, das beim Testen von Output Styles besonders nützlich ist.