Statt jedes Mal eine lange Anweisung zu formulieren, tippst du einen Schrägstrich und ein Stichwort, und Claude weiß genau, was du willst. In diesem Artikel zeige ich dir die sechs Befehle, die fest zu meinem Entwicklungsworkflow gehören, und wie du dir eigene Befehle baust.
Was sind Slash Commands in Claude Code?
Slash Commands sind kleine eingebaute Funktionen, im Grunde Abkürzungen. Du rufst sie auf, indem du in Claude Code einen Schrägstrich tippst, gefolgt vom Namen des Befehls, zum Beispiel /plan.
Insgesamt gibt es knapp 90 davon. Sie decken unter anderem diese Bereiche ab:
- Setup und Konfiguration
- Kontext und deine aktuelle Session
- Aufgaben und Automatisierungen
- Code Review und Verifikation
- Accounts, Plugins und MCP
Neben den Klassikern, mit denen du deinen Verbrauch oder dein aktuelles Kontextfenster einsiehst, gibt es ein paar Befehle, die deine Arbeit grundlegend verändern. Um die geht es hier.
| Befehl | Wofür ich ihn nutze |
|---|---|
/plan | Erst einen Plan erstellen lassen, dann bauen |
/rewind | Zurück zu einem früheren Stand von Code und Chat |
/goal | Claude selbstständig arbeiten lassen, bis ein Ziel erreicht ist |
/loop | Einen Auftrag in festen Abständen wiederholen |
/btw | Zwischenfragen stellen, ohne die laufende Arbeit zu stoppen |
/statusline | Modell, Kontext und Kosten dauerhaft im Blick behalten |
1. /plan: Erst planen, dann bauen
Die meisten Probleme mit Claude Code entstehen, wenn du ihm eine große Aufgabe gibst und er sofort anfängt zu entwickeln. Dann vergisst er Dinge, arbeitet an den falschen Stellen oder macht bestehende Funktionen kaputt.
Mit /plan schaltest du in den Planmodus. Claude schaut sich zuerst die Aufgabe und den bestehenden Code an und schreibt dir dann einen Plan. Coding Agents arbeiten mit Checklisten extrem zuverlässig. Genau das macht Claude hier: Er zerlegt die Aufgabe in eine Checkliste und arbeitet sie später Punkt für Punkt ab.
Den Plan legt er dir vor, bevor er loslegt. Du prüfst, ob alle Schritte Sinn ergeben oder ob etwas fehlt. Erst wenn du freigibst, beginnt die Umsetzung.
Ich nutze /plan bei jeder größeren Änderung. Das fühlt sich anfangs wie ein zusätzlicher Zwischenschritt an. Aber eine gute Vorbereitung macht bei Coding Agents einen Großteil der Ergebnisqualität aus. Wenn du erst alles gebaut hast und dann wieder rein musst, um Dinge zu ändern oder zu reparieren, fangen die Kopfschmerzen richtig an.
Bei richtigen Softwareprojekten gehe ich noch einen Schritt weiter und plane mit ausführlichen Spezifikationen, bevor überhaupt ein Plan entsteht.
2. /rewind: Zurück zum letzten funktionierenden Stand
Manchmal biegt Claude trotzdem falsch ab, ändert Dinge, die du gar nicht wolltest, oder du hast selbst einen Fehler gemacht. Dafür gibt es /rewind.
Wenn du den Befehl aufrufst, zeigt Claude dir eine Liste aller Checkpoints. Du wählst den Punkt aus, zu dem du zurückwillst, und Claude setzt den Code und den Chatverlauf auf genau diesen Stand zurück.
Du musst also nicht mühsam jede Änderung einzeln rückgängig machen. Du springst direkt an die Stelle, an der deine App noch funktioniert hat.
3. /goal: Claude bis zum Ziel arbeiten lassen
Wenn du keine Lust hast, Claude bei der Entwicklung permanent zu babysitten, nutze /goal. Damit definierst du ein Ziel, und Claude arbeitet über mehrere Schritte hinweg so lange weiter, bis es erreicht ist.
Entscheidend ist, wie du das Ziel formulierst. Es sollte sehr genau den fertigen Zustand beschreiben. Sonst trifft Claude eigene Annahmen darüber, wann das Ziel erreicht ist. Dann biegt er falsch ab oder erledigt zusätzliche Arbeit, die gar nicht nötig war.
Ein Beispiel aus meinem Workflow: Ich führe für jedes Feature einen Status, der anzeigt, wo es im Entwicklungsprozess steht. Ist es spezifiziert? Gibt es ein technisches Design? Ist die Aufgabenliste geplant, die Implementierung erledigt, das Testing abgeschlossen? Mit /goal formuliere ich das Ziel dann so, dass es erreicht ist, sobald ein bestimmter Status gesetzt ist:
/goal Das Feature "Kundenlogin" ist erst fertig, wenn es in der Feature-Liste den Status "Getestet" hat.
Zwei Dinge solltest du noch kennen:
- Rufst du während einer laufenden Goal-Session
/goalohne weitere Angaben auf, siehst du den aktuellen Stand, die Zielbedingung, die Laufzeit und den Tokenverbrauch. - Mit
/goal clearbeendest du den Durchlauf.
Wie gut /goal in der Praxis funktioniert und wo der Haken liegt, habe ich in einem eigenen Test ausprobiert: Kann Claude Code mit /goal autonom entwickeln?
4. /loop: Aufgaben in festen Abständen wiederholen
Mit /loop führt Claude denselben Auftrag immer wieder aus, in einem festen zeitlichen Abstand. Das ist praktisch, wenn du den Fortschritt einer längeren Entwicklung im Auge behalten willst:
/loop 10m Prüf bitte den aktuellen Entwicklungsstand gegen die offenen Punkte aus der Spezifikation und sag mir, was noch fehlt.
Jetzt bekommst du alle zehn Minuten einen kurzen Report. Lässt du die Zeitangabe weg, legt Claude den Abstand selbst fest, je nachdem, was für die Aufgabe sinnvoll ist.
Ein paar Einschränkungen solltest du kennen:
- Die Session muss aktiv bleiben. Sobald du sie schließt, endet auch der Loop.
- Jeder Durchlauf liest den gesamten Chatverlauf mit, also auch alle früheren Reports. Je länger der Loop läuft, desto mehr Token kostet jeder einzelne Durchlauf.
- Ein Loop läuft maximal 7 Tage.
- Stoppen kannst du ihn jederzeit mit der Escape-Taste.
Brauchst du etwas, das länger oder unabhängig von deinem Rechner laufen soll, nimm /schedule. Damit legst du eine zeitgesteuerte Automatisierung in der Cloud an. Wie sich /goal, /loop und /schedule zu ganzen Arbeitsabläufen kombinieren lassen, erkläre ich in Loop Engineering und Graph Engineering.
Autonome Arbeit braucht einen Rechner, der wach bleibt
Bei /goal und /loop arbeitet Claude über mehrere Schritte selbstständig weiter. Der Haken: Claude Code läuft lokal auf deinem Rechner. Stößt du eine größere Aufgabe an, etwa ein Refactoring, und klappst dann den Laptop zu, bricht die Arbeit ab. Wenn du Claude wirklich über Stunden autonom arbeiten lassen willst, brauchst du einen Server, auf dem Claude Code dauerhaft läuft.
5. /btw: Zwischenfragen, ohne die Arbeit zu stoppen
Einer meiner Lieblingsbefehle. Mir passiert ständig Folgendes: Claude ist mitten in einer Aufgabe, und mir fällt noch eine Zusatzinformation oder eine schnelle Frage ein.
Mit /btw („by the way") fragst du einfach in die laufende Session hinein. Das startet eine kleine, separate Unterhaltung. Claude beantwortet deine Frage nebenbei und nimmt die zusätzliche Information in die Aufgabe auf, die im Hintergrund weiterläuft.
/btw Die Preise sollen übrigens immer inklusive Mehrwertsteuer angezeigt werden.
6. /statusline: Modell, Kontext und Kosten im Blick
Diesen Befehl nutzt du wahrscheinlich nur ein paar Mal, er ist aber sehr nützlich. Mit /statusline richtest du eine kleine Statuszeile ein, die bei jedem Chat angezeigt wird. Darin siehst du zum Beispiel:
- mit welchem Modell du gerade arbeitest,
- wie voll dein Kontextfenster ist,
- wie hoch die Kosten der aktuellen Session sind.
Claude gibt dir eine Auswahl an Dingen, die du anzeigen kannst, und du kannst eigene ergänzen. Ich lasse mir zum Beispiel zusätzlich den Git-Branch anzeigen, auf dem ich gerade arbeite.
Eigene Slash Commands erstellen
Das Beste an Slash Commands: Du bist nicht auf die eingebauten beschränkt. Du kannst dir eigene bauen, oder besser, bauen lassen. Bitte Claude einfach, einen eigenen Befehl für dich zu erstellen, und gib ihm den nötigen Kontext:
Erstell mir einen Slash Command /review, der alle Änderungen seit dem letzten Commit prüft und mir Fehler, Sicherheitsprobleme und fehlende Tests auflistet.
Eigene Befehle liegen im Ordner .claude/commands deines Projekts. Es sind ganz normale Markdown-Dateien: Der Dateiname ist der Name des Befehls, der Inhalt die Anweisung an Claude. Die Datei .claude/commands/review.md könnte zum Beispiel so aussehen:
Prüfe alle Änderungen seit dem letzten Commit.
Liste auf:
1. Fehler und Logikprobleme
2. Sicherheitsprobleme, z.B. offene API-Keys oder fehlende Zugriffsprüfungen
3. Stellen, an denen Tests fehlen
Ändere selbst keinen Code. Gib mir nur die Liste mit Datei und Zeile.
Super simples Setup, aber ein sehr effizientes Werkzeug. Alles, was du Claude regelmäßig in ähnlicher Form schreibst, ist ein guter Kandidat für einen eigenen Befehl.
Einordnung: Befehle ersetzen kein System
Diese sechs Befehle machen deine Arbeit mit Claude Code verlässlicher. /plan verhindert, dass Claude kopflos losbaut. /rewind gibt dir ein Sicherheitsnetz. /goal und /loop lassen Claude länger selbstständig arbeiten.
Je größer dein Projekt wird, desto weniger reichen einzelne Befehle aber aus. Dann brauchst du einen festen Ablauf, der jedes Feature durch dieselben Schritte führt: Spezifikation, Architektur, Plan, Umsetzung und unabhängige Prüfung. Wenn du gerade erst anfängst, lies auch meine Anleitung, wie du mit Claude Code deine erste Web-App entwickelst. Dort zeige ich unter anderem, wie du Claude mit /init ein Gedächtnis für dein Projekt gibst.