In diesem Guide erkläre ich dir, was Skills genau sind, wie eine SKILL.md aufgebaut ist, wo du fertige Skills findest und wie du eigene erstellst. Zum Schluss ordne ich ein, wie sich Skills von der CLAUDE.md und von Subagents unterscheiden.
Das Problem: Dein Agent ist ein Generalist
Claude Code und andere AI Coding Agents sind intelligent. Sie können coden, analysieren und recherchieren. Aber sie haben keine Expertise in deinem Sinne. Dein Agent kennt deine Vorgehensweisen und Best Practices nicht. Er weiß nicht, wie du Code schreibst und reviewst, kennt deine Designstandards nicht und hat keine Ahnung von deinem Deployment-Prozess.
Mit Skills gibst du deinem Agenten Anleitungen an die Hand, damit er Aufgaben genau nach deinen Vorgaben erledigt.
Wie groß der Unterschied sein kann, habe ich mit einem einfachen Test gezeigt. Ich habe Claude Code zweimal dieselbe Landingpage im Swiss Style bauen lassen, einmal ohne und einmal mit einem Design-Skill. Ohne Skill kam das typische KI-Ergebnis heraus: lila Farbton, keine Animationen, ein eher durchschnittliches Layout. Mit Skill war das Layout deutlich klarer und aufgeräumter, es gab dezente Animationen, Hover-Effekte und verspielte Details.
Was ist ein Agent Skill?
Technisch ist die Lösung simpel: Ein Skill ist ein Ordner mit einer Datei namens SKILL.md. In dieser Datei steht, wie der Agent eine bestimmte Aufgabe erledigen soll. Das ist schon die ganze Basis.
frontend-design/
└── SKILL.md
Aufbau der SKILL.md
Die SKILL.md beginnt mit einem kleinen Header im YAML-Format (Frontmatter). Darin stehen der Name und eine Beschreibung. Darunter folgen die eigentlichen Anweisungen in normalem Markdown:
---
name: frontend-design
description: Optimiert Frontend-Code für professionelles, modernes Design. Nutze diesen Skill bei UI-Aufgaben.
---
# Frontend Design Standards
## Typografie
- Maximal 2 Schriftfamilien
- Klare Hierarchie: Hero, Heading, Body, Caption
- Zeilenhöhe 1.5 für Fließtext, 1.2 für Überschriften
## Spacing
- 8px-Raster
- Konsistente Abstände zwischen Sektionen
Im offenen Standard sind name und description die beiden Pflichtfelder. Claude Code ist etwas großzügiger: Fehlt name, nimmt es den Ordnernamen. Die description solltest du aber immer sauber formulieren, denn anhand dieser Beschreibung entscheidet der Agent, ob er den Skill nutzt. Wichtig: Der Header muss in der allerersten Zeile der Datei mit --- beginnen, sonst wird er nicht erkannt.
Wann wird ein Skill geladen?
Ein Skill landet beim Start einer Session nicht komplett im Kontext. Der Agent lädt zunächst nur Name und Beschreibung, meist wenige Dutzend Token pro Skill. Erst wenn ein Skill tatsächlich gebraucht wird, kommen die vollständigen Anweisungen dazu.
Ob er einen Skill braucht, entscheidet der Agent selbst, nachdem du ihm einen Prompt geschickt hast. Du kannst einen Skill aber auch gezielt aufrufen, indem du ihn im Prompt erwähnst oder in Claude Code als Slash Command startest, zum Beispiel /frontend-design.
Dieses Nachladen bei Bedarf ist der Grund, warum du viele Skills installieren kannst, ohne dein Kontextfenster zu überladen. Wie Skills in das größere Bild des Kontextmanagements passen, zeige ich im Artikel über Context Engineering in Claude Code.
Skills mit Beispielen, Referenzen und Skripten erweitern
Richtig mächtig werden Skills durch zusätzliche Dateien. Du erweiterst den Ordner einfach um Unterordner:
frontend-design/
├── SKILL.md Anweisungen, verweist auf die Dateien unten
├── examples/
│ ├── hero-section.tsx So sieht eine gute Hero Section aus
│ └── pricing-table.tsx So baust du eine Preistabelle
├── references/
│ ├── color-system.md Farbpalette und Regeln
│ └── spacing-guide.md Raster, Abstände, Breakpoints
└── scripts/
└── validate-a11y.sh Prüft automatisch die Barrierefreiheit
- Beispiele: Bestehende Code-Snippets oder Marketingtexte in deinem Stil. Du sagst dem Agenten damit: „So sieht eine gute Hero Section bei uns aus.“
- Referenzen: Farbsystem, Spacing-Regeln, Styleguides.
- Skripte: Zum Beispiel Python- oder Bash-Skripte, die der Agent ausführt, etwa ein Accessibility-Check, der automatisch die Kontrastwerte deines Designs prüft.
In der SKILL.md verweist du auf diese Dateien. Der Agent weiß dadurch, was er wann laden soll:
## Referenzen
- Farbsystem: siehe references/color-system.md
- Spacing-Regeln: siehe references/spacing-guide.md
## Beispiele
Orientiere dich an den Beispielen in examples/ für Komponenten-Struktur und Design-Patterns.
Skills, die ganze Workflows steuern
In Skills kannst du auch beschreiben, wie der Agent mit externen Systemen arbeitet. Voraussetzung ist, dass du den MCP Server des jeweiligen Systems eingerichtet hast. MCP (Model Context Protocol) ist die Schnittstelle, über die Claude externe Tools bedient. Dann kann ein einzelner Skill mehrere MCP Server orchestrieren.
Stell dir vor, eine Designerin hat das Konzept für ein neues Feature in Figma fertig. Du tippst /design-handoff, und der Skill:
- exportiert die Design-Assets über den Figma MCP Server,
- legt sie an einem Ort deiner Wahl ab, etwa in Google Drive oder einem GitHub Repository,
- erstellt Aufgaben in einem Projektmanagement-Tool wie Linear oder Jira,
- schickt eine Zusammenfassung mit allen Links an dein Team, zum Beispiel über Slack.
Skills beschreiben also nicht nur einzelne Schritte, sondern können ganze Abläufe über mehrere Systeme hinweg koordinieren.
Skills als offener Standard
Anthropic hat Skills im Oktober 2025 als Feature in Claude vorgestellt und im Dezember 2025 als offenen Standard veröffentlicht. Die Spezifikation liegt offen auf agentskills.io. Kurz darauf haben Microsoft, OpenAI, Google und GitHub das Format in ihre Tools übernommen.
Für dich heißt das: Du schreibst einen Skill einmal, und er funktioniert nicht nur in Claude Code, sondern auch in anderen Coding Agents. Eine Einschränkung: Einige Header-Felder und Funktionen, die ich weiter unten zeige, gibt es nur in Claude Code.
Skills installieren: skills.sh und der Speicherort
Fertige Skills findest du zum Beispiel auf skills.sh, einer Art App Store für Agent Skills von Vercel. Zum Zeitpunkt meines Videos waren dort rund 50.000 Skills gelistet: Frontend Design, SEO Audits, Webdesign-Guidelines, sogar Video-Editing mit Remotion.
Besonders praktisch ist der Skill Find Skills. Er bringt deinem Agenten bei, selbstständig nach passenden Skills zu suchen und sie zu installieren. Ein Skill, der andere Skills findet.
Projekt oder global?
Bevor du installierst, musst du wissen, dass es zwei Orte für Skills gibt:
| Ort | Pfad in Claude Code | Gilt für |
|---|---|---|
| Persönlich (global) | ~/.claude/skills/<skill-name>/SKILL.md | Alle deine Projekte auf diesem Rechner |
| Projekt | .claude/skills/<skill-name>/SKILL.md | Nur dieses Projekt, per Git mit dem Team geteilt |
Installation Schritt für Schritt
Auf skills.sh steht bei jedem Skill der passende Terminal-Befehl. Er hat diese Form:
npx skills add <github-user>/<repository>
Den Befehl kannst du in dein Terminal kopieren oder direkt deinem Coding Agent geben. Der Installer fragt dich dann:
- Für welche Coding Agents du den Skill installieren willst. Mit den Pfeiltasten navigierst du, mit der Leertaste hakst du an, zum Beispiel Claude Code und Antigravity.
- Projekt oder global. Für Skills, die du überall nutzen willst, wählst du global.
- Installationsart. Die empfohlene Variante ist ein Symlink, also eine Verknüpfung auf einen zentralen Ordner.
Danach ist der Skill einsatzbereit. Frag Claude Code einfach: „Welche Skills sind aktuell verfügbar?“ Mit installiertem Find Skills kannst du auch direkt suchen lassen:
Kannst du mir bitte einen Skill suchen, der mir beim Design von Landingpages helfen kann?
Claude liefert dir eine Liste mit Empfehlungen, die du dir einzeln anschauen kannst, inklusive Dokumentation und Anzahl der Installationen.
Eigenen Skill erstellen
Du kannst Skills manuell anlegen oder von Claude erstellen lassen.
Variante 1: Manuell
Du legst den Ordner an und schreibst die SKILL.md selbst. Für einen Code-Review-Skill, der in allen Projekten gelten soll:
mkdir -p ~/.claude/skills/code-review
Darin erstellst du die Datei SKILL.md:
---
name: code-review
description: Führt strukturierte Code-Reviews durch. Prüft auf Sicherheit, Bugs, Performance und Code-Qualität. Nutze diesen Skill bei Pull Requests oder wenn der User einen Review anfragt.
---
# Code Review
## Ablauf
1. Überblick verschaffen: Was hat sich geändert und warum?
2. Sicherheit: Authentifizierung, Eingabeprüfung, offene Secrets
3. Bugs: fehlende Prüfungen, Edge Cases, Race Conditions
4. Performance: unnötige Datenbankabfragen, unnötige Re-Renders
5. Stil: Benennung, Fehlerbehandlung, Lesbarkeit
## Ausgabe
Strukturierter Report mit Schweregrad:
- KRITISCH: muss behoben werden
- WARNUNG: sollte behoben werden
- INFO: Verbesserungsvorschlag
## Regeln
- Keine Stil-Kleinigkeiten anmerken, wenn ein Linter eingerichtet ist
- Immer den Business-Kontext berücksichtigen
- Konkrete Lösungsvorschläge machen, nicht nur Probleme benennen
Variante 2: Mit dem Skill Creator
Anthropic stellt mit dem Skill Creator einen Skill bereit, der Skills für dich baut. Wenn du die Claude-App nutzt, aktivierst du ihn unter Einstellungen → Fähigkeiten im Bereich der Beispiel-Skills. Danach rufst du ihn in Claude Code mit /skill-creator auf und beschreibst, was du brauchst:
Ich möchte einen Code-Review-Skill erstellen. Er soll strukturierte Code-Reviews durchführen und auf Sicherheit, Bugs, Performance und Codequalität prüfen. Nutze diesen Skill bei Pull Requests oder wenn ein User nach einem Review fragt. Hier der Inhalt: ...
Claude legt dann die Ordnerstruktur mit der SKILL.md an und packt den Skill auf Wunsch sogar als Paketdatei, damit du ihn mit anderen teilen kannst.
Einen Neustart brauchst du danach normalerweise nicht. Claude Code erkennt neue und geänderte Skills in den bekannten Skill-Ordnern während der laufenden Session. Hast du den Ordner skills erst nach dem Start der Session neu angelegt, lädst du die Skills mit /reload-skills nach.
Claude-Code-Features für Skills
Claude Code bietet ein paar Funktionen, die über den offenen Standard hinausgehen.
Argumente mit $ARGUMENTS
Du schreibst in die SKILL.md den Platzhalter $ARGUMENTS. Alles, was du beim Aufruf hinter den Slash Command schreibst, wird dort eingesetzt.
Ein Beispiel: Softwareprojekte haben meist drei Umgebungen. In der Entwicklungsumgebung entwickelst du, in der Staging-Umgebung wird getestet, und in der Produktivumgebung nutzen echte Nutzer:innen deine App. Ein Deployment-Skill kann so aussehen:
---
name: deploy
description: Deployt die App auf eine Umgebung
disable-model-invocation: true
---
Deploye die App auf die folgende Umgebung: $ARGUMENTS
Mit /deploy staging liest Claude dann „Deploye die App auf die folgende Umgebung: staging“.
Dynamischer Kontext mit Terminal-Befehlen
Du kannst in der SKILL.md einen Terminal-Befehl hinterlegen, der automatisch ausgeführt wird, sobald der Skill geladen wird. Das Ergebnis wird in den Skill eingesetzt, bevor Claude überhaupt anfängt zu arbeiten. Die Syntax ist ein Ausrufezeichen vor dem Befehl in Backticks:
# Code Review
Reviewe die folgenden Änderungen:
!`git diff`
Prüfe auf Sicherheit, Bugs und Performance.
Rufst du /code-review auf, holt sich der Skill zuerst per git diff alle Änderungen seit dem letzten Commit und startet den Review direkt auf dieser Basis.
Weitere Header-Felder
| Feld | Wirkung |
|---|---|
context: fork | Der Skill läuft in einem eigenen Subagent mit isoliertem Kontextfenster. Der Subagent sieht deinen bisherigen Chatverlauf nicht, die Anweisungen im Skill müssen also für sich allein stehen. |
disable-model-invocation: true | Der Skill startet nur, wenn du ihn per Slash Command aufrufst. Claude wählt ihn nicht selbst aus. Ideal für Abläufe wie Deployments, die du bewusst auslösen willst. |
allowed-tools | Werkzeuge, die Claude während des Skills ohne Rückfrage nutzen darf, zum Beispiel Read Grep. |
model | Legt fest, mit welchem Claude-Modell der Skill ausgeführt wird. |
Ein Hinweis zu allowed-tools: In Claude Code schränkt das Feld die Werkzeuge nicht ein, sondern gibt die genannten Werkzeuge für die Dauer des Skills ohne Bestätigung frei. Willst du einem Skill Werkzeuge verbieten, gibt es dafür das eigene Feld disallowed-tools.
Skills vs. CLAUDE.md vs. Subagents
Wenn du Claude Code nutzt, fragst du dich vielleicht, wozu du Skills brauchst, wenn es schon die CLAUDE.md und Subagents gibt. Die drei haben komplett unterschiedliche Aufgaben:
| CLAUDE.md | Skill | Subagent | |
|---|---|---|---|
| Wann geladen | Immer, bei jeder Session | Nur bei Bedarf | Bei Delegation |
| Zweck | Was immer gilt: Projektkonventionen | Wie etwas gemacht wird: deine Expertise | Wer es macht: ein isolierter Spezialist mit Rolle |
| Kontext | Immer im Hauptkontext | Wird bei Bedarf in den Kontext geladen | Eigenes, isoliertes Kontextfenster |
| Portabel | Nein, Claude-Code-spezifisch | Ja, offener Standard | Teilweise: Die Rollenbeschreibung lässt sich übertragen, die automatische Delegation gibt es nur in Claude Code |
Subagents sparen oft Kosten, weil die Detailarbeit nicht im Hauptkontext landet.
Einordnung: Skills machen aus dem Generalisten einen Spezialisten
Skills sind simpel: ein Ordner, eine Markdown-Datei, optional Beispiele und Skripte. Gerade das macht sie so wirkungsvoll. Du schreibst deine Expertise einmal auf, und dein Agent wendet sie an, sobald sie gebraucht wird, in Claude Code und in anderen Tools.
Wie stark ein einzelner, kurzer Skill deine Arbeit verändern kann, zeige ich am Beispiel des Grill-Me-Skills für bessere Anforderungen.
Für größere Softwareprojekte reichen einzelne Skills aber nicht. Dort brauchst du einen ganzen Entwicklungsablauf, in dem Skills und Subagents wie ein Team zusammenarbeiten: Anforderungen definieren, Architektur planen, Frontend und Backend bauen, gegen Akzeptanzkriterien testen und sauber deployen. Erst dieser strukturierte Prozess sorgt dafür, dass deine App nicht beim ersten Sonderfall zusammenbricht oder sensible Daten offenlegt.