Blog[Anleitung] 6 Min. Lesezeit

KI-Agenten einfach erklärt: Assistent, Workflow und Agent im Vergleich

KI-Agenten sind gerade in aller Munde und sorgen für den größten Hype seit ChatGPT. So kompliziert, wie sie oft dargestellt werden, sind sie aber nicht. Wenn du schon täglich mit ChatGPT oder Claude arbeitest, verstehst du das Prinzip in wenigen Minuten.

Lieber zuschauen? Beim Abspielen wird das Video von YouTube geladen. Dabei werden Daten an Google übertragen, mehr dazu in der Datenschutzerklärung.Auf YouTube ansehen ↗

In diesem Artikel bekommst du die einfachste Erklärung für KI-Agenten, die ich kenne. Wir schauen uns drei Stufen an, die aufeinander aufbauen: KI-Assistenten, KI-Workflows und KI-Agenten. Zu jeder Stufe gibt es ein Beispiel aus dem Alltag, damit du am Ende genau weißt, was ein Agent ist und wo er sich von einer Automatisierung unterscheidet.

Stufe 1: KI-Assistenten wie ChatGPT, Claude und Gemini

KI-Assistenten kennst du bereits. Sie sind super, um Texte oder Bilder zu erstellen, zu überarbeiten oder Ideen zu sammeln. Du schickst eine Eingabe, deinen Prompt, und bekommst direkt eine Ausgabe zurück.

Ein Beispiel:

Prompt
Optimiere mir diese E-Mail an einen Kunden.

Fertig ist die E-Mail, freundlicher, als ich sie je schreiben könnte.

Wichtig zu wissen: Assistenten warten immer auf dich. Sie handeln nie eigenständig und haben keinen automatischen Zugriff auf deine Daten. Fragst du „Welche Termine stehen heute an?“, meldet der Assistent, dass ihm der Zugriff auf deinen Kalender fehlt.

Integrationen: Zugriff nur mit Freigabe

Fast alle KI-Assistenten bieten inzwischen Integrationen zu anderen Tools an, zum Beispiel zu Google Kalender. Die aktivierst du im entsprechenden Menü. Ohne deine Freigabe bekommt der Assistent keinen Zugriff. Wenn du Integrationen ausprobierst, achte auf drei Dinge:

  • Least-Privilege-Prinzip: Gib nur die Berechtigungen frei, die wirklich nötig sind.
  • Zugriff widerrufen: Du kannst eine Freigabe jederzeit wieder zurückziehen.
  • Firmenaccounts: Beachte die internen Richtlinien und sprich am besten direkt mit deiner IT.

Stufe 2: KI-Workflows

In einem KI-Workflow verknüpfen wir Tools und definieren einen klaren Ablauf: Wenn X passiert, dann mach Y und danach Z. Das läuft linear, Schritt für Schritt.

Der Unterschied zu einer klassischen Automatisierung: Mit KI-Modulen kann der Workflow aus den Eingabedaten individuelle Ausgaben erzeugen. Er versteht also zum Beispiel unstrukturierten Text und macht daraus strukturierte Daten.

Beispiel: Rechnungseingang automatisieren

  1. Auslöser: Eine neue E-Mail landet im Postfach „Rechnungen“.
  2. Der PDF-Anhang, also die Rechnung, wird heruntergeladen.
  3. Der Text wird aus dem Dokument extrahiert.
  4. Ein KI-Modul liest strukturiert die Felder aus: Rechnungsnummer, Betrag, Fälligkeitsdatum, Lieferant.
  5. Die Daten werden in Google Sheets oder einem anderen System deiner Wahl gespeichert.
  6. Zum Schluss geht eine Nachricht in einen Teams- oder Slack-Channel, etwa: „Neue Rechnung, fällig in 7 Tagen“.

Beispiel: Blogartikel zu LinkedIn-Posts recyclen

Solche Workflows kannst du mit n8n bauen, einem Tool aus Deutschland. Dort setzt du KI-Workflows auf einer visuellen Oberfläche zusammen, ohne eine einzige Zeile Code zu schreiben. Wir haben n8n bei Dutzenden KMU eingeführt, und es funktioniert auch im großen Stil.

Angenommen, dein Marketingteam will aus jedem veröffentlichten Blogartikel auch einen LinkedIn-Beitrag machen:

  1. Auslöser: Ein neuer Artikel wird veröffentlicht. n8n hat Integrationen zu allen wichtigen CMS-Plattformen.
  2. Der Artikel wird ausgelesen.
  3. Ein KI-Modul erstellt daraus den LinkedIn-Beitrag.
  4. Das Ergebnis wird in der Content-Datenbank gespeichert.

Für Schritt 3 braucht die KI eine genaue Aufgabenbeschreibung, den sogenannten Rollenprompt. Darin beschreibst du die konkrete Aufgabe, Stil und Tonalität der Beiträge und ein festes Ausgabeformat.

Stufe 3: KI-Agenten

Jetzt der entscheidende Unterschied: Ein KI-Agent kann auf Basis von Daten selbst Entscheidungen treffen. Er bekommt keinen festen Ablauf, sondern ein Ziel. Um das zu erreichen, überlegt er, was zu tun ist. Das nennt man Reasoning. Dann wählt er die passenden Werkzeuge und Schritte selbst aus.

Die Bausteine eines KI-Agenten

Ein Agent besteht immer aus drei Bestandteilen:

BausteinFunktion
Large Language Model (LLM)Das Gehirn: versteht, plant und formuliert
SpeicherDas Gedächtnis: erinnert sich an frühere Gespräche und Interaktionen
WerkzeugeDie Hände: führen Aktionen aus, etwa Daten abfragen oder E-Mails senden

Alle drei kannst du beliebig konfigurieren. Im Kern steht auch hier ein Rollenprompt mit einer genauen Ziel- und Aufgabenbeschreibung.

Beispiel: ein Support-Agent

Ein Support-Agent soll ein Postfach überwachen und eingehende Anfragen selbstständig lösen. Kann er ein Problem nicht lösen, leitet er es an eine:n Mitarbeiter:in weiter. In n8n gibt es dafür eine eigene Agenten-Komponente. Das Setup sieht so aus:

Auslöser: Eine neue E-Mail kommt ins Support-Postfach, und der Agent liest sie komplett aus.

Gehirn: Als Sprachmodell kannst du aus allen bekannten Anbietern wählen, etwa OpenAI oder Anthropic.

Gedächtnis: Der Agent bekommt Zugriff auf eine Datenbank, in der er die gesamte Historie speichert. Gab es mit der Person schon einmal Kontakt, kennt er sofort alle Hintergründe.

Werkzeuge: Um Anfragen zu lösen, braucht der Agent Zugriff auf Unternehmenswissen. Das können einzelne Dokumente sein. Bei großen Mengen, etwa einem ganzen Handbuch, eignet sich eine Vektordatenbank besser. Darin werden Dokumente wie PDFs, Word-Dateien oder E-Mails in kleine Textbausteine zerlegt, damit der Agent sie schnell und effizient durchsuchen kann.

Zusätzlich kannst du ihm Zugriff auf weitere Systeme geben, etwa auf das CRM für Kundendaten oder das Shopsystem, um Bestellungen nachzuschlagen. Auch hier gilt: nur den wirklich nötigen Zugriff.

Was ist RAG?

Das Prinzip hinter der Vektordatenbank heißt RAG, Retrieval Augmented Generation. Das bedeutet nichts anderes, als dass der Agent:

  1. zuerst die passenden Infos aus der Datenbank nachschlägt (Retrieval),
  2. seine Antwort mit genau diesen Infos anreichert (Augmented),
  3. und sie dann erzeugt (Generation).

Scoring: Der Agent prüft sich selbst

Damit die Antwort das Problem wirklich löst, kann der Agent mit einem Scoring arbeiten. Er hinterfragt seine eigene Antwort kritisch und vergibt einen Wert zwischen 0 und 100. Je höher der Wert, desto sicherer ist er, dass die Antwort das Problem löst.

Daran hängst du eine Abzweigung:

  • Über 80: Die Antwort geht direkt per E-Mail an die Kundin oder den Kunden.
  • 80 oder weniger: Die Antwort wird nur als Entwurf angelegt und von einem Menschen geprüft.

So bleibt der Mensch genau dort in der Schleife, wo der Agent unsicher ist.

Zusammenfassung: Assistent, Workflow und Agent im Vergleich

KI-AssistentKI-WorkflowKI-Agent
ArbeitsweiseReaktivDeterministischZielorientiert
AblaufDu fragst, die KI antwortetFester Ablauf, Schritt für SchrittKI plant, handelt und iteriert bis zum Ziel
EntscheidungenKeine eigenenNach festen Regeln, die du definierstWählt Werkzeuge und Schritte selbst
Zugriff auf DatenNur über freigegebene IntegrationenÜber die verknüpften ToolsÜber Werkzeuge, Gedächtnis und Datenbanken
BeispielE-Mail umformulierenRechnungseingang verarbeitenSupportanfragen selbstständig lösen

Ein KI-Assistent arbeitet reaktiv. Er trifft keine eigenen Entscheidungen und hat nicht automatisch Zugriff auf Tools oder Daten.

Ein KI-Workflow arbeitet deterministisch, also nach einem vordefinierten Ablauf, der Schritt für Schritt durchlaufen wird. KI-Module erzeugen darin individuelle Ausgaben aus den Eingabedaten.

Ein KI-Agent arbeitet zielorientiert. Er besteht aus einem LLM als Gehirn, einem Speicher als Gedächtnis, Werkzeugen und einem zentralen Rollenprompt. Innerhalb der Leitplanken, die du ihm setzt, wählt er selbst die passenden Werkzeuge und Schritte, um sein Ziel zu erreichen.

Einordnung: Agenten gibt es nicht nur im Support

Das gleiche Prinzip steckt auch in Coding Agents wie Claude Code. Du gibst ein Ziel vor, etwa ein neues Feature, und der Agent plant selbst, welche Dateien er liest, welchen Code er schreibt und welche Befehle er ausführt. Wie du damit ohne Programmierkenntnisse eine eigene App entwickelst, zeige ich dir in meiner Anleitung Claude Code für Einsteiger.

Egal ob Support-Agent oder Coding Agent: Je mehr ein Agent selbst entscheidet, desto wichtiger werden klare Ziele, eng gesetzte Berechtigungen und ein Mensch, der an den kritischen Stellen prüft.

Häufige Fragen

Was ist ein KI-Agent?

Ein KI-Agent arbeitet zielorientiert. Du gibst ihm ein Ziel, und er überlegt selbst, welche Werkzeuge und Schritte er dafür braucht. Er besteht aus einem Sprachmodell als Gehirn, einem Speicher als Gedächtnis, verschiedenen Werkzeugen und einem Rollenprompt mit Ziel- und Aufgabenbeschreibung.

Was ist der Unterschied zwischen einem KI-Workflow und einem KI-Agenten?

Ein KI-Workflow folgt einem fest definierten Ablauf nach dem Muster: Wenn X passiert, mach Y und danach Z. Ein KI-Agent hat dagegen nur ein Ziel und entscheidet selbst, welche Werkzeuge und Schritte er nutzt, um es zu erreichen.

Ist ChatGPT ein KI-Agent?

Im klassischen Chat ist ChatGPT ein KI-Assistent. Er arbeitet reaktiv, wartet auf deine Eingabe, handelt nie eigenständig und hat nicht automatisch Zugriff auf deine Daten. Zugriff auf Tools wie deinen Kalender bekommt er nur, wenn du eine Integration ausdrücklich freigibst.

Was bedeutet RAG?

RAG steht für Retrieval Augmented Generation. Der KI-Agent schlägt zuerst passende Informationen in einer Datenbank nach, reichert seine Antwort mit genau diesen Informationen an und generiert sie dann. So kann er zum Beispiel Supportanfragen auf Basis eines Firmenhandbuchs beantworten.

Mit welchem Tool kann ich KI-Agenten ohne Programmierung bauen?

Zum Beispiel mit n8n. Dort baust du KI-Workflows und KI-Agenten auf einer visuellen Oberfläche zusammen, ohne Code zu schreiben. n8n bietet eine eigene Agenten-Komponente, bei der du Sprachmodell, Gedächtnis und Werkzeuge einfach konfigurierst.

Welche Rechte sollte ich einem KI-Agenten geben?

Nur die wirklich nötigen, nach dem Least-Privilege-Prinzip. Gib einem Agenten nur Zugriff auf die Systeme und Daten, die er für seine Aufgabe braucht. In Firmen solltest du außerdem die internen Richtlinien beachten und mit deiner IT sprechen.

[Mein Programm] AI Engineering Accelerator

Vom Vibe Coder zum AI Engineer

Wenn du Software entwickeln willst, die du an Kunden verkaufst, brauchst du mehr als gute Prompts. Im Accelerator lernst du, mit System zu entwickeln: mit Struktur, Qualitätssicherung und einer Community, die dich begleitet.

  • Du entwickelst mit Claude Code ein komplettes SaaS-Produkt, von der Idee bis zum sicheren Live-Betrieb.
  • Ein fertiges AI Engineering Framework hält Claude auf Kurs, auch wenn dein Projekt wächst.
  • Auth, Datenbank, Deployment und Monitoring: so, dass es mit echten Nutzer:innen hält.
  • Für Founder und Produktteams, ohne selbst zu programmieren.